- Die meisten Akkuschrauber haben ein Schnellspannfutter – kein Werkzeug nötig zum Lösen.
- Das Bohrfutter sitzt auf einem Linksgewinde: Zum Lösen also im Uhrzeigersinn drehen.
- Oft hält zusätzlich eine Innenschraube mit Rechtsgewinde das Futter auf der Spindel.
- Vor jedem Eingriff: Akku herausziehen, damit sich der Schrauber nicht unbeabsichtigt einschaltet.
- Manchmal reicht Reinigen statt Wechseln – ein blockiertes Futter ist oft nur verschmutzt.
Du schraubst gerade, der Bohrer rutscht durch, das Bohrfutter klemmt oder dreht leer – und du merkst, dass es Zeit für einen Wechsel ist. Vielleicht hast du auch einen neuen Akkuschrauber, der ein anderes Futtersystem hat als dein altes Zubehör. So oder so: Das Bohrfutter am Akkuschrauber wechseln ist keine Raketenwissenschaft, aber es gibt ein paar Fallstricke, die viele übersehen.
Der häufigste Fehler passiert direkt beim ersten Handgriff. Wer nicht weiß, dass das Gewinde links läuft, dreht einfach in die falsche Richtung und wundert sich, warum nichts nachgibt. Dazu kommt oft eine versteckte Schraube im Inneren des Futters, die viele gar nicht kennen. Dieser Ratgeber erklärt dir Schritt für Schritt, wie du das richtig machst – und was du vorher wissen solltest.
Schnellspannfutter oder Zahnkranzbohrfutter – was hat dein Akkuschrauber?
Bevor du anfängst, lohnt es sich, kurz zu schauen, welche Art von Bohrfutter dein Gerät hat. Das beeinflusst, ob du Werkzeug brauchst oder nicht.
Das Schnellspannfutter (auch Schnellwechselfutter genannt) ist heute Standard bei fast allen Akkuschraubern im Heimwerkerbereich. Du erkennst es daran, dass du den vorderen Ring einfach von Hand drehen kannst, ohne Schlüssel. Der Vorteil: Bohrer und Bits lassen sich in Sekunden wechseln. Nachteil gegenüber dem Zahnkranzfutter ist, dass die Spannkraft bei hohen Belastungen etwas geringer ausfällt.
Das Zahnkranzbohrfutter findest du dagegen eher an älteren Modellen und professionellen Geräten. Es braucht einen speziellen Bohrfutterschlüssel zum Öffnen und Schließen. Dafür klemmt es Bohrer und Bits deutlich fester. Der Schlüssel steckt bei vielen Geräten in einem kleinen Halter direkt am Gehäuse oder am Kabel.
Für beide Typen gilt dasselbe Grundprinzip beim Wechseln: Das Futter sitzt auf der Motorspindel und ist mit einem Linksgewinde befestigt, gesichert durch eine Innenschraube mit Rechtsgewinde.
Wann lohnt sich der Wechsel?
Ein Bohrfutter sollte nicht nach Gefühl, sondern nach konkreten Anzeichen ausgetauscht werden. Die häufigsten Gründe sind
- Verschleiß: Die Spannbacken schließen nicht mehr gleichmäßig, der Bohrer sitzt schief oder schlägt aus der Mitte.
- Defekt: Das Futter lässt sich nicht mehr richtig öffnen oder schließen, die Backen sind gebrochen oder das Gewinde ist beschädigt.
- Falscher Typ: Du willst von Zahnkranz auf Schnellspannfutter wechseln, oder du brauchst ein Futter mit anderem Spannbereich (z.B. für sehr dünne Bohrer).
- Umrüstung: Du willst SDS-Bits oder andere Einsätze verwenden, die dein aktuelles Futter nicht aufnimmt.
Übrigens: Manchmal ist ein scheinbar defektes Futter nur verschmutzt oder verharzt. Bevor du Geld für ein neues ausgibst, lohnt sich ein Reinigungsversuch – dazu später mehr.
Das brauchst du für den Wechsel
Halte folgendes bereit, bevor du anfängst:
- Einen Innensechskant (Inbus) passender Größe – meist 4 oder 5 mm
- Einen Kreuzschraubendreher oder Torx – je nach Schraubentyp der Innenschraube
- Einen Schraubstock oder eine zweite Hand (um die Spindel zu fixieren)
- Das neue Ersatzbohrfutter (auf Kompatibilität mit deinem Modell achten)
- Etwas Loctite oder Schraubensicherung (optional, aber empfehlenswert)
Wichtig: Das neue Futter muss zum Spindelgewinde deines Akkuschraubers passen. Das häufigste Maß ist 1/2″ × 20 UNF (amerikanisches Feingewinde) oder 3/8″ × 24 UNF. Steht oft in der Betriebsanleitung oder auf dem Gerät selbst. Im Zweifel altes Futter mitnehmen und im Baumarkt vergleichen.
Bohrfutter wechseln am Akkuschrauber – Schritt für Schritt
Schritt 1: Akku herausziehen
Klingt selbstverständlich, wird aber immer wieder vergessen. Zieh den Akku aus dem Gerät, bevor du irgendetwas anfasst. Selbst wenn der Schrauber ausgeschaltet ist, kann ein unbeabsichtigter Druck auf den Schalter zur falschen Zeit unangenehme Folgen haben.
Schritt 2: Bohrfutter so weit wie möglich öffnen
Drehe die Spannbacken ganz auf, bis sie maximal geöffnet sind. Dadurch wird der Innenraum des Futters zugänglich – und du siehst die Innenschraube, falls dein Modell eine hat.
Schritt 3: Innenschraube lösen (falls vorhanden)
Schau jetzt in das geöffnete Futter hinein. Bei vielen Akkuschraubern sitzt dort eine Schraube, die das Futter zusätzlich auf der Spindel sichert. Diese Schraube hat ein Rechtsgewinde, also das normale. Zum Lösen drehst du sie gegen den Uhrzeigersinn. Verwende einen passenden Schraubendreher (meist Kreuz oder Torx).
Nicht jedes Modell hat diese Schraube. Bei günstigeren Geräten fehlt sie oft. Wenn du keine siehst, überspringe diesen Schritt einfach.
Schritt 4: Bohrfutter lösen – auf das Linksgewinde achten
Jetzt kommt der entscheidende Schritt, der die meisten Leute verwirrt. Das Bohrfutter sitzt auf einem Linksgewinde. Das bedeutet: Du musst es im Uhrzeigersinn drehen, um es zu lösen – also entgegen der normalen Schraubenlogik.
Gleichzeitig muss die Spindel des Geräts fixiert sein, sonst dreht sie einfach mit. Das geht am einfachsten so: Manche Geräte haben eine Spindelarretierung (ein kleiner Knopf an der Seite). Drückst du ihn rein, blockiert die Spindel. Ohne Spindelarretierung kannst du einen Inbus in das Futter einspannen und diesen mit einem zweiten Werkzeug gegenhalten, während du das Futter drehst.
Bei hartnäckigen Futtern hilft ein kurzer Gummihammer-Klaps auf den Inbus-Schlüssel, um die Verbindung erstmal zu lösen.
Schritt 5: Spindelgewinde reinigen
Bevor das neue Futter drauf kommt, wische das Gewinde der Spindel mit einem sauberen Lappen ab. Späne, altes Fett oder Rost können dazu führen, dass das neue Futter schief sitzt oder sich schlecht aufschrauben lässt. Ein kurzes Durchdrehen von Hand ohne das Futter zeigt dir, ob das Gewinde sauber und gängig ist.
Schritt 6: Neues Bohrfutter aufschrauben
Schraube das neue Futter im Gegenuhrzeigersinn auf die Spindel auf. Das entspricht dem Linksgewinde – also entgegen der normalen Richtung. Drehe es zunächst von Hand, bis es sitzt, und dann mit einem Hilfsmittel fest.
Wenn du möchtest, kannst du vorher einen Tropfen Schraubensicherung (z.B. Loctite blau, mittelfest) auf das Gewinde geben. Das verhindert ein Losvibrieren im Betrieb – ist aber kein Muss, wenn du die Innenschraube verwendest.
Schritt 7: Innenschraube wieder eindrehen
Falls dein Modell eine Innenschraube hatte, drehe sie jetzt wieder ein – im Uhrzeigersinn (Rechtsgewinde). Nicht übertreiben mit der Kraft, aber fest genug, damit sie sitzt.
Schritt 8: Akku rein und testen
Steck den Akku wieder rein und spanne einen Bohrer ein. Lass den Schrauber kurz laufen und prüfe, ob der Bohrer gleichmäßig läuft ohne zu schlagen oder zu eiern. Wenn alles sauber sitzt, ist der Wechsel erfolgreich.

Die richtige Größe wählen – worauf du beim Kauf achten solltest
Nicht jedes Ersatzfutter passt zu jedem Gerät. Beim Kauf sind zwei Dinge entscheidend:
Spindelgewinde: Das Gewinde auf der Motorspindel bestimmt, welches Futter überhaupt passt. Die häufigsten Maße bei Akkuschraubern sind 1/2″ × 20 UNF und 3/8″ × 24 UNF. Das steht entweder in der Betriebsanleitung, auf dem Typenschild oder manchmal direkt auf dem alten Futter.
Spannbereich: Der Spannbereich gibt an, wie dünn oder dick der Bohrer oder Bit sein darf. Ein typisches Heimwerker-Schnellspannfutter hat einen Spannbereich von 1,5 bis 13 mm. Willst du auch sehr dünne Bohrer (unter 1,5 mm) verwenden, brauchst du ein Futter mit kleinerem Minimalmaß.
Kaufe kein No-Name-Futter ohne Herstellerangabe. Die Qualität schwankt stark, und ein minderwertiges Futter spinnt nach wenigen Wochen. Marken wie Röhm, Jacobs oder Metabo-kompatible Ersatzteile haben sich in der Praxis bewährt.
Bohrfutter reinigen statt wechseln – lohnt das?
Oft ist ein schwergängiges oder blockiertes Bohrfutter kein Fall für den Austausch, sondern nur schmutzig oder verharzt. Das passiert besonders, wenn du lange mit feuchtem Holz oder viel Staub gearbeitet hast.
So gehst du vor: Öffne das Futter so weit wie möglich. Sprühe etwas Kriechöl (WD-40 oder ähnliches) in die Spannbacken und lass es einige Minuten einwirken. Dann öffne und schließe das Futter mehrfach von Hand, um den Schmutz zu lösen. Wenn nötig, wische die Backen anschließend mit einem trockenen Tuch aus.
Achtung: Zu viel Öl kann Schmutz erst recht festziehen. Verwende es sparsam und wische Überschüsse ab. Nach der Reinigung mit einem Tropfen Trockenöl oder Silikonspray nachbehandeln – das verringert künftige Verschmutzung.
Häufige Fehler beim Bohrfutter wechseln
- In die falsche Richtung drehen: Der Klassiker. Linksgewinde bedeutet, dass du im Uhrzeigersinn löst – nicht gegen.
- Innenschraube vergessen: Wer die Innenschraube nicht löst, bevor er am Futter dreht, riskiert ein beschädigtes Gewinde oder zieht die Schraube nur fester.
- Spindel nicht fixieren: Ohne Spindelarretierung dreht die Spindel einfach mit. Das Futter geht nicht ab, und du schraubst am falschen Ort.
- Falsches Ersatzfutter bestellt: Ein Futter mit dem falschen Gewindemaß sitzt schief oder gar nicht. Immer erst das Spindelgewinde prüfen.
- Akku drin gelassen: Nicht kommentieren. Einfach immer rausziehen.
- Zu viel Kraft auf das neue Futter: Das Futter sollte handfest plus eine halbe Umdrehung mit Werkzeug sitzen. Wer überdreht, beschädigt das Gewinde.
Fazit
Das Bohrfutter am Akkuschrauber wechseln ist eine Aufgabe, die du in zehn bis fünfzehn Minuten erledigen kannst – wenn du weißt, worauf du achten musst. Das Linksgewinde und die versteckte Innenschraube sind die zwei Punkte, an denen die meisten scheitern. Wer diese kennt, macht den Wechsel problemlos.
Prüfe vor dem Kauf eines Ersatzfutters immer das Spindelgewinde deines Geräts. Ein passendes Markenprodukt hält deutlich länger als billiges No-Name-Material. Und wenn das Futter nur schwergängig ist statt defekt, lohnt sich oft eine Reinigung – spart Geld und Aufwand.
FAQ – Häufige Fragen zum Bohrfutter wechseln
Drehe ich das Bohrfutter im oder gegen den Uhrzeigersinn zum Lösen?
Im Uhrzeigersinn. Das Bohrfutter sitzt auf einem Linksgewinde, deshalb ist die Drehrichtung zum Lösen umgekehrt zur normalen Schraubenlogik.
Mein Bohrfutter dreht mit, wenn ich es lösen will – was mache ich?
Die Spindel muss fixiert sein. Nutze die Spindelarretierung deines Geräts (kleiner Knopf seitlich am Gehäuse) oder spanne einen Inbus-Schlüssel ein und halte ihn mit einer zweiten Person oder einem Schraubstock fest.
Welches Bohrfutter passt zu meinem Akkuschrauber?
Das entscheidet das Spindelgewinde des Geräts. Die häufigsten Maße sind 1/2″ × 20 UNF und 3/8″ × 24 UNF. Die Information findest du in der Betriebsanleitung, auf dem Typenschild oder direkt auf dem alten Futter.
Muss ich das Bohrfutter nach dem Wechsel einfeiten?
Nicht unbedingt. Ein kleiner Tropfen Maschinenöl auf die Spannbacken nach dem Einbau kann nicht schaden. Zu viel Fett zieht aber Staub an und verklebt das Futter mit der Zeit.
Kann ich das Bohrfutter auch ohne Spindelarretierung wechseln?
Ja. Spanne dafür einen Inbus-Schlüssel in das Futter ein und halte ihn fest, während du das Futter selbst drehst. Alternativ: Gerät kurz in einen Schraubstock einspannen (Gehäuse schützen) und dann am Futter drehen.
