Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Körnungszahl gibt an, wie fein das Schleifpapier ist: niedrige Zahl = grob, hohe Zahl = fein.
- Das P vor der Zahl (z. B. P120) steht für die europäische FEPA-Norm, die in Deutschland üblich ist.
- Zahlen ohne P stammen meist aus dem amerikanischen CAMI-System – bei feinen Körnungen weichen beide Systeme voneinander ab.
- Grob (P40–P80) trägt ab, mittel (P100–P150) glättet, fein (P180–P400) bereitet auf Lack und Öl vor.
- Beim Schleifen steigerst du die Körnung Schritt für Schritt und überspringst keine großen Sprünge.
P80, P120, P240 – auf jeder Packung Schleifpapier prangt eine Zahl, oft mit einem P davor. Wer noch nicht tief im Thema steckt, steht im Baumarkt schnell ratlos vor dem Regal. Dabei steckt hinter diesen Zahlen ein einfaches, logisches System. Wenn du es einmal verstanden hast, greifst du nie wieder zum falschen Papier.
In diesem Ratgeber erklären wir dir, was die Körnung beim Schleifpapier bedeutet, wie du die Bezeichnungen liest und welche Zahl für welche Aufgabe steht. Am Ende weißt du genau, warum du mit grobem Papier beginnst und mit feinem aufhörst.
Was die Körnung beim Schleifpapier bedeutet
Die Körnung beschreibt die Größe der Schleifkörner, die auf das Papier aufgebracht sind. Die Zahl stammt ursprünglich aus dem Sieb-Verfahren bei der Herstellung. Vereinfacht gesagt gibt sie an, wie eng das Sieb ist, durch das die Körner sortiert werden. Ein Wert von 40 entspricht einem Sieb mit rund 40 Maschen pro Zoll, also etwa pro 25 Millimeter.
Daraus ergibt sich die wichtigste Regel: Je größer die Zahl, desto enger das Sieb und desto kleiner die einzelnen Körner. Ein niedriger Wert bedeutet große, grobe Körner, die viel Material abtragen. Ein hoher Wert steht für feine Körner, die eine glatte Oberfläche hinterlassen. Merksatz: kleine Zahl, grobes Papier – große Zahl, feines Papier.
FEPA, CAMI und das P: die Systeme hinter den Zahlen
Wenn du genauer hinschaust, fällt dir auf, dass manche Schleifpapiere ein P vor der Zahl tragen und andere nicht. Das ist kein Zufall, sondern weist auf zwei unterschiedliche Normen hin.
- FEPA-P (mit P): Die europäische Norm der Federation of European Producers of Abrasives. In Deutschland ist sie der Standard für flexible Schleifmittel wie Schleifpapier. Du erkennst sie am vorangestellten P, etwa P120.
- CAMI (ohne P): Das amerikanische System des Coated Abrasive Manufacturers Institute. Hier steht oft nur die Zahl oder das Wort „Grit“. Begegnet dir vor allem bei importierten Produkten.
Im groben Bereich liegen beide Systeme nah beieinander, dort kannst du die Zahlen fast gleichsetzen. Bei feinen Körnungen laufen sie allerdings auseinander. Eine P400 nach FEPA entspricht nicht exakt einer 400 nach CAMI. Wer Wert auf ein präzises Ergebnis legt, etwa beim Lackschliff, sollte deshalb innerhalb eines Systems bleiben. Übrigens gibt es neben dem P auch ein F: Die Bezeichnung FEPA-F gilt für starre Schleifmittel wie Schleifscheiben und Schleifsteine, nicht für Schleifpapier.
Körnungsbereiche von grob bis fein – die Tabelle
Damit du die Zahlen schnell einordnen kannst, haben wir die gängigen Körnungsbereiche nach FEPA-P zusammengefasst. Die Übergänge sind fließend, die Tabelle gibt dir aber eine verlässliche Orientierung.
| Bereich | Körnung (FEPA-P) | Typische Aufgabe |
|---|---|---|
| Sehr grob | P16 – P40 | Starkes Abtragen, alte Farbe oder Lack entfernen, grobe Unebenheiten |
| Grob | P60 – P80 | Vorschliff auf rohem Holz, Kanten brechen, raue Flächen glätten |
| Mittel | P100 – P150 | Allgemeiner Schliff, Vorbereitung vor dem ersten Lackauftrag |
| Fein | P180 – P240 | Feinschliff, Zwischenschliff zwischen zwei Anstrichen |
| Sehr fein | P280 – P400 | Letzter Schliff vor Öl oder Lack, glatte Endoberfläche |
| Extra fein | P500 – P1000 | Feinstschliff, Vorbereitung zum Polieren |
| Ultrafein | ab P1200 | Nassschliff, Polieren, Hochglanz auf Lack und Metall |
Welche Körnung am Ende genau zu deinem Werkstück passt, hängt stark vom Untergrund ab. Holz, Metall, Putz oder Lack verhalten sich beim Schleifen unterschiedlich. Eine detaillierte Zuordnung findest du in unserem Ratgeber dazu, welche Körnung für welchen Untergrund die richtige ist.
So liest du eine Schleifpapier-Bezeichnung richtig
Auf einer Packung steht oft mehr als nur die Körnung. Nehmen wir die Angabe „P120″ als Beispiel. Das P verrät dir, dass es sich um die europäische FEPA-Norm handelt. Die 120 ist die Körnung, also ein mittelfeines Papier für den allgemeinen Schliff.
Daneben findest du häufig Hinweise auf das Schleifmittel selbst, etwa Korund oder Siliziumkarbid, sowie auf die Eignung für Nass- oder Trockenschliff. Manche Hersteller drucken die Körnung zusätzlich auf die Rückseite jedes Blattes. Das ist praktisch, denn so erkennst du auch ein angefangenes Papier später noch eindeutig.
Vom Grob- zum Feinschliff: die Körnung richtig steigern
Ein sauberes Schleifergebnis entsteht nicht mit einer einzigen Körnung, sondern in mehreren Durchgängen. Du beginnst grob und arbeitest dich Stufe für Stufe zur feinen Körnung vor. Der Grund ist einfach: Grobes Papier trägt schnell Material ab, hinterlässt aber sichtbare Kratzer. Jede feinere Stufe entfernt die Kratzer der vorherigen.
Wichtig dabei: Überspringe keine zu großen Sprünge. Eine bewährte Faustregel ist, die Körnungszahl von Schritt zu Schritt nicht mehr als etwa zu verdoppeln. Ein typischer Ablauf beim Holzschliff sieht zum Beispiel so aus:
- P80 – grober Vorschliff, entfernt Unebenheiten und alte Beschichtungen
- P120 – mittlerer Schliff, glättet die groben Kratzer
- P180 – Feinschliff, bereitet die Oberfläche auf die Behandlung vor
- P240 – sehr feiner Schliff vor dem Ölen oder Lackieren
Springst du dagegen direkt von P80 auf P240, brauchst du ewig, um die groben Kratzer auszuschleifen, und verschwendest feines Papier. Die Treppe nach oben ist am Ende schneller und liefert das bessere Ergebnis.
Häufige Fehler bei der Körnungswahl
- Zu fein angefangen: Mit P240 lässt sich kaum Material abtragen. Für den ersten Schliff brauchst du grobes Papier.
- Zu grob aufgehört: Wer bei P80 stehen bleibt, bekommt vor dem Lackieren keine glatte Fläche. Der Lack zeigt später jede Schleifspur.
- FEPA und CAMI verwechselt: Bei feinen Arbeiten führt das Mischen beider Systeme zu unsauberen Übergängen.
- Verbrauchtes Papier weitergenutzt: Stumpfe Körner schmieren nur noch und hinterlassen Glanzstellen statt Abtrag.
Fazit: Mit System zur richtigen Körnung
Die Schleifpapier-Körnung ist kein Geheimnis, sobald du das Grundprinzip kennst. Eine niedrige Zahl bedeutet grobes Korn und starken Abtrag, eine hohe Zahl feines Korn und eine glatte Oberfläche. Das P weist auf die europäische FEPA-Norm hin, die in Deutschland üblich ist.
Wenn du grob beginnst, die Körnung Schritt für Schritt steigerst und keine großen Sprünge machst, bekommst du fast jedes Werkstück sauber hin. Welche konkrete Körnung dein jeweiliger Untergrund braucht, klärt der ergänzende Ratgeber zur Untergrund-Zuordnung. Mit diesem Wissen stehst du vor dem Schleifpapier-Regal nie wieder ratlos.
FAQ – Häufige Fragen zur Schleifpapier-Körnung
Bedeutet eine höhere Zahl gröberes oder feineres Papier?
Eine höhere Zahl bedeutet feineres Papier. P40 ist grob und trägt viel ab, P240 ist fein und sorgt für eine glatte Oberfläche. Merksatz: kleine Zahl grob, große Zahl fein.
Was bedeutet das P vor der Körnungszahl?
Das P steht für die europäische FEPA-Norm für flexible Schleifmittel wie Schleifpapier. In Deutschland ist diese Kennzeichnung der Standard. Zahlen ohne P stammen meist aus dem amerikanischen CAMI-System.
Mit welcher Körnung sollte ich anfangen?
Das hängt vom Zustand der Oberfläche ab. Für rohes Holz oder zum Entfernen alter Beschichtungen startest du grob mit P60 bis P80. Ist die Fläche schon glatt, kannst du direkt mittel oder fein einsteigen.
Kann ich Körnungsstufen überspringen?
Kleine Sprünge sind in Ordnung, große nicht. Als Faustregel gilt, die Körnung von Stufe zu Stufe höchstens etwa zu verdoppeln. Wer zu große Sprünge macht, bekommt die groben Kratzer mit dem feinen Papier nur schwer wieder heraus.
Ab welcher Körnung spricht man von Feinschliff?
Der Feinschliff beginnt etwa ab P180 und reicht bis rund P400. Alles darüber gilt als sehr fein bis ultrafein und kommt vor allem beim Polieren oder beim Nassschliff zum Einsatz.
