Das Wichtigste auf einen Blick
- Innengewinde schneidest du mit dem Gewindebohrer und Windeisen, Außengewinde mit dem Schneideisen.
- Der Kernlochdurchmesser ergibt sich aus Nenndurchmesser minus Steigung (z. B. M6 → 5,0 mm, M8 → 6,8 mm).
- Immer mit Schneidöl arbeiten, das schont das Werkzeug und sorgt für ein sauberes Gewinde.
- Beim Schneiden regelmäßig zurückdrehen, damit der Span bricht und sich nicht staut.
- Das Werkzeug exakt senkrecht ansetzen, sonst wird das Gewinde schief.
Ein Gewinde selbst zu schneiden klingt nach Werkstattprofi, ist mit dem richtigen Werkzeug aber gut machbar. Ob du eine Mutter ersetzen, ein Loch mit Gewinde versehen oder eine Stange anpassen willst: Wer das passende Kernloch bohrt und sauber arbeitet, bekommt ein festes, sauberes Gewinde. Hier die komplette Anleitung mit Tabelle.
Innengewinde oder Außengewinde?
Innengewinde
- Gewinde in einer Bohrung (wie in einer Mutter)
- Werkzeug: Gewindebohrer + Windeisen
- Vorher Kernloch bohren
Außengewinde
- Gewinde auf einem Stab oder Bolzen
- Werkzeug: Schneideisen + Schneideisenhalter
- Stab vorher anfasen
Innengewinde in eine Bohrung, Außengewinde auf eine Stange – das Werkzeug unterscheidet sich.
Das richtige Kernloch bohren
Beim Innengewinde steht und fällt alles mit dem Kernloch. Ist es zu groß, fasst das Gewinde nicht, ist es zu klein, bricht der Gewindebohrer ab. Die Faustformel: Kernlochdurchmesser = Nenndurchmesser minus Steigung. Bei M10 mit 1,5 mm Steigung sind das also 10 − 1,5 = 8,5 mm. Die folgende Tabelle nimmt dir das Rechnen für die gängigen Größen ab.
| Gewinde | Steigung | Kernlochbohrer |
|---|---|---|
| M3 | 0,5 mm | 2,5 mm |
| M4 | 0,7 mm | 3,3 mm |
| M5 | 0,8 mm | 4,2 mm |
| M6 | 1,0 mm | 5,0 mm |
| M8 | 1,25 mm | 6,8 mm |
| M10 | 1,5 mm | 8,5 mm |
| M12 | 1,75 mm | 10,2 mm |
Material und Werkzeug
- Gewindebohrer (für Innengewinde) oder Schneideisen (für Außengewinde) in der passenden Größe
- Windeisen für den Gewindebohrer bzw. Schneideisenhalter für das Schneideisen
- Kernlochbohrer im passenden Durchmesser (siehe Tabelle)
- Schneidöl, gerade bei Edelstahl unverzichtbar
- Körner, Bohrmaschine und ein Schraubstock zum Fixieren
Gewindebohrer gibt es oft im Satz aus Vor-, Mittel- und Fertigschneider, die du nacheinander einsetzt. Beim Vorbereiten des Kernlochs hilft dir unsere Anleitung, wie du das Bohrfutter am Akkuschrauber wechselst, falls du den passenden Bohrer einspannen musst.
Schritt für Schritt: Innengewinde schneiden
Außengewinde mit dem Schneideisen
Beim Außengewinde gehst du ähnlich vor, nur umgekehrt. Spanne den Stab senkrecht in den Schraubstock und fase das Ende leicht an, damit das Schneideisen fängt. Setz das Schneideisen mit der angefasten Seite an, drücke es gerade an und drehe es mit Schneidöl auf. Auch hier gilt: ein Stück schneiden, zurückdrehen, Span brechen. So entsteht ein sauberes Gewinde, ohne dass das Werkzeug verkantet.
Tipps für ein sauberes Gewinde
- Immer ölen: Schneidöl reduziert die Reibung, kühlt und sorgt für saubere Flanken, besonders bei Edelstahl.
- Span brechen: Das regelmäßige Zurückdrehen verhindert, dass sich Späne stauen und der Bohrer bricht.
- Senkrecht bleiben: Kontrolliere die Ausrichtung anfangs aus zwei Richtungen, ein schiefes Gewinde lässt sich nicht retten.
- Gewindelänge planen: Eine Einschraubtiefe von etwa dem ein- bis zweifachen Durchmesser hält sicher.
Häufige Fehler beim Gewindeschneiden
- Falsches Kernloch: Zu groß und das Gewinde hält nicht, zu klein und der Bohrer bricht ab.
- Ohne Öl gearbeitet: Das Gewinde wird rau und das Werkzeug stumpf.
- Nicht zurückgedreht: Gestaute Späne sind die häufigste Ursache für abgebrochene Gewindebohrer.
- Schief angesetzt: Ein verkantetes Werkzeug ergibt ein unbrauchbares Gewinde.
- Zu viel Kraft: Gewaltsames Weiterdrehen bei Widerstand bricht den Bohrer.
Fazit: Mit der richtigen Vorbereitung gelingt es
Gewinde schneiden ist kein Hexenwerk, wenn das Kernloch stimmt und du sauber arbeitest. Die Formel Nenndurchmesser minus Steigung und ein Blick in die Tabelle führen dich zum richtigen Bohrer. Mit Schneidöl, dem Rhythmus aus Schneiden und Zurückdrehen und einem senkrecht angesetzten Werkzeug entsteht ein festes, sauberes Gewinde.
Übe am besten erst an einem Reststück, bevor du dich ans eigentliche Werkstück wagst. Dann hast du das Gefühl für Druck und Drehung schnell raus und schneidest Gewinde wie selbstverständlich.
FAQ – Häufige Fragen zum Gewindeschneiden
Wie berechne ich den Kernlochdurchmesser?
Mit der Formel Nenndurchmesser minus Steigung. Ein M8-Gewinde mit 1,25 mm Steigung braucht also rund 6,8 mm, ein M6 mit 1,0 mm Steigung 5,0 mm. Die Tabelle oben fasst die gängigen Größen zusammen.
Welches Werkzeug brauche ich für ein Innengewinde?
Einen Gewindebohrer in der passenden Größe und ein Windeisen, dazu den Kernlochbohrer. Oft kommen die Gewindebohrer als Satz aus Vor-, Mittel- und Fertigschneider.
Warum muss ich beim Schneiden zurückdrehen?
Damit der Span bricht und sich nicht im Gewinde staut. Ein gestauter Span ist die häufigste Ursache dafür, dass ein Gewindebohrer abbricht.
Brauche ich wirklich Schneidöl?
Ja, gerade bei Metall und besonders bei Edelstahl. Das Öl kühlt, reduziert die Reibung und sorgt für ein sauberes Gewinde sowie eine längere Lebensdauer des Werkzeugs.
Wie tief sollte das Gewinde sein?
Eine Einschraubtiefe von etwa dem ein- bis zweifachen Gewindedurchmesser ergibt eine feste Verbindung. Bohre das Kernloch entsprechend etwas tiefer, damit der Gewindebohrer das Gewinde vollständig schneiden kann.
