
Handwerker und Bauarbeiter stellen. Bei Fassadenarbeiten, bei der Dachrinnenreinigung, bei der Montage von Lüftungskanälen arbeitet man oft hoch oben. Wenn die dritte Mietrechnung im Quartal auf dem Tisch liegt, dann überlegt man, ob man nicht lieber eine eigene Hubarbeitsbühne haben will. Die Entscheidung hängt von nur wenigen Dingen ab. Wichtig ist die tatsächliche Auslastung der Hubarbeitsbühne, wichtig sind die Fixkosten, die mit dem Eigentum der Hubarbeitsbühne verbunden sind, und wichtig sind die Pflichten, die ein Betreiber nach dem Arbeitsschutzrecht übernehmen muss.
Was eine Mietbühne tatsächlich kostet
Mietpreise werden fast immer tageweise berechnet und sinken mit der Mietdauer deutlich. Eine Orientierung bieten die veröffentlichten Mietkosten von Arbeitsbühnen des Vermieters BIBERGER. Eine elektrische Scherenbühne mit 10 m Arbeitshöhe liegt dort bei rund 110 € pro Tag in der Tagesmiete, bei etwa 70 € pro Tag in der Wochenmiete und bei etwa 40 € pro Tag in der Langzeitmiete. Für eine Gelenkteleskopbühne mit 18 m werden ca. 210 €, 160 € und 95 € genannt. Alle Werte verstehen sich netto.
Zwei Posten fehlen in Vergleichen häufig. Die Maschinenbruchversicherung schlägt bei BIBERGER mit 10 % des Mietpreises zu Buche. Der Transport einer Maschine zwischen 4 und 9 t kostet für 125 km im Inland laut Anbieter etwa 200 € je Strecke. Wartung, Reparaturen und die vorgeschriebenen Prüfungen trägt dagegen der Vermieter.
Eigentum bedeutet Fixkosten und Betreiberpflichten
Wer kauft, schreibt die Maschine ab. Die AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums für allgemein verwendbare Anlagegüter setzt für mobile Arbeitsbühnen unter Fundstelle 3.4.4.2 eine Nutzungsdauer von 11 Jahren an. Branchentabellen haben Vorrang und können kürzere Zeiträume vorsehen.
Schwerer wiegen die laufenden Pflichten. Fahrbare Hubarbeitsbühnen sind arbeitstäglich einer Sicht- und Funktionsprüfung zu unterziehen und mindestens einmal jährlich durch eine zur Prüfung befähigte Person zu prüfen. Nach Unfällen oder Änderungen an der Konstruktion ist zusätzlich eine außerordentliche Prüfung fällig. Maßgeblich sind die DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.10, und der DGUV Grundsatz 308-002. Hinzu kommen Wartung, Versicherung, ein Stellplatz und ein geeignetes Transportfahrzeug.
Ein Punkt gilt unabhängig vom Modell. Bedienpersonen müssen mindestens 18 Jahre alt sein, eine nachgewiesene Qualifizierung besitzen und schriftlich beauftragt werden. Die Anforderungen an die Ausbildung beschreibt der DGUV Grundsatz 308-008.
Modellrechnung: Ab wie vielen Einsatztagen rechnet sich der Kauf?
Ein vereinfachtes Beispiel macht die Größenordnung greifbar. Angenommen wird eine gebrauchte Gelenkteleskopbühne mit rund 15 m Arbeitshöhe für 37.500 € netto, ein Preis, wie er derzeit für ein Gerät mit Baujahr 2022 am Gebrauchtmarkt aufgerufen wird. Bei einer angenommenen Restnutzungsdauer von acht Jahren ergibt sich eine lineare Abschreibung von etwa 4.690 € pro Jahr. Für Prüfung, Wartung, Versicherung und Stellplatz werden pauschal 2.000 € jährlich angesetzt. Zinsen auf das gebundene Kapital bleiben unberücksichtigt.
Das ergibt rund 6.700 € Fixkosten im Jahr.
Auf der Mietseite dient der Wochensatz für Gelenkteleskopbühnen als Basis, also etwa 160 € pro Tag zuzüglich 10 % Versicherung. Das sind 176 € pro Miettag. Teilt man die Fixkosten durch diesen Betrag, liegt die Schwelle bei etwa 38 Miettagen pro Jahr. Bleibt der Bedarf deutlich darunter, ist die Miete auch dann günstiger, wenn einzelne Transporte hinzukommen. Wer eine Bühne dagegen über Monate am Stück benötigt, zahlt in der Langzeitmiete nur noch rund 95 € pro Tag und kann selbst bei hoher Auslastung wirtschaftlich mieten.
Entscheidungskriterien für den eigenen Betrieb
Die Modellrechnung ersetzt keine eigene Kalkulation. Drei Fragen helfen bei der Einordnung.
Wie viele Einsatztage fielen in den vergangenen 24 Monaten tatsächlich an? Die gemieteten Tage lassen sich aus Rechnungen rekonstruieren. Vermutungen aus dem Gedächtnis heraus sind meist zu hoch.
Welche Arbeitshöhen und Reichweiten werden benötigt? Mit einer eigenen Maschine deckt man exakt eine Geräteklasse ab. Wenn die Projekte zwischen Innenausbau und Fassade wechseln, bleibt ein Teil des Bedarfs ohnehin Mietbedarf.
Gibt es Kapazität für das Prüfwesen? Prüfbuch, Fristenkontrolle, Mängelbeseitigung fordern Personal und Organisation.
Ein Mischmodell ist eine weitere Option: Eine kleine Scherenbühne im Eigentum für den Grundbedarf, größere Geräte nach Bedarf gemietet. Wer die Entscheidung vorbereiten möchte, führt ab sofort ein Einsatzprotokoll mit Datum, Arbeitshöhe und Dauer, holt für typische Einsätze konkrete Mietangebote ein, klärt ein Abschreibungsmodell gleich mit der Steuerberatung ab.
