- Jedes Material braucht seinen Bohrer: Metallbohrer aus HSS für Stahl, Holzbohrer mit Zentrierspitze, Steinbohrer mit Hartmetallspitze, Fliesenbohrer ohne Schlag.
- Für Edelstahl brauchst du einen kobaltlegierten HSS-Co-Bohrer, niedrige Drehzahl und Kühlung.
- In Fliesen wird ohne Schlag, langsam und mit Wasserkühlung gebohrt – sonst platzt die Fliese.
- Der Spitzenwinkel verrät die Eignung: 118° ist der HSS-Standard, 135° mit Kreuzanschliff zentriert sich selbst.
- Faustregel: Je größer der Durchmesser und je härter das Material, desto niedriger die Drehzahl.
Ein Bohrer sieht dem anderen auf den ersten Blick ähnlich – bis du mit dem falschen in Fliese oder Edelstahl gehst und die Spitze nach zwei Löchern hinüber ist. Welcher Bohrer für welches Material gemacht ist, erkennst du an Form, Spitze und Material. Diese Übersicht bringt Ordnung in den Bohrerkasten.
Überblick: Bohrer nach Material
| Material | Passender Bohrer |
|---|---|
| Stahl, Metall, Alu | HSS-Spiralbohrer (Metallbohrer) |
| Edelstahl, harte Stähle | HSS-Co (kobaltlegiert) |
| Holz, Spanplatte | Holzbohrer mit Zentrierspitze |
| Große, tiefe Löcher in Holz | Forstner- oder Schlangenbohrer |
| Beton, Naturstein, Mauerwerk | Stein-/Betonbohrer mit Hartmetallspitze |
| Fliesen, Glas | Fliesen-/Glasbohrer, ohne Schlag |
Metallbohrer: der HSS-Spiralbohrer
Der Spiralbohrer aus HSS ist der Klassiker und für Stahl, Eisen, Kupfer, Messing und Aluminium geeignet. Was der Werkstoff HSS genau kann, liest du im Beitrag HSS: Was bedeutet das. Beim Metallbohrer lohnt der Blick auf zwei Details: den Anschliff und den Spitzenwinkel.
- HSS-R ist rollgewalzt, günstig und zäh – für einfache Bohrungen in Baustahl und NE-Metallen
- HSS-G ist aus dem Vollmaterial geschliffen, präziser und mit besserem Rundlauf
- HSS-Co ist mit Cobalt legiert und die Wahl für Edelstahl und hochlegierte Stähle
Der Spitzenwinkel liegt bei Standardbohrern bei 118°. Manche Bohrer haben stattdessen einen Anschliff von 135° mit Kreuzanschliff. Diese Spitze zentriert sich selbst, sodass du bei kleineren Durchmessern nicht ankörnen musst und der Bohrer weniger verläuft. Wie du Edelstahl anbohrst, ohne die Schneide zu verbrennen, steht ausführlich im Beitrag Edelstahl bohren.
Holzbohrer, Forstner- und Schlangenbohrer
Holzbohrer erkennst du an der Zentrierspitze in der Mitte und den beiden Vorschneidern außen. Die Spitze setzt du exakt an, die Vorschneider trennen die Fasern sauber vor, sodass die Ränder nicht ausreißen. Für größere und tiefere Löcher gibt es Spezialisten.
- Forstnerbohrer – bohrt saubere Sacklöcher mit flachem Boden und exakten Kanten, ideal für Topfscharniere und randnahe Bohrungen
- Schlangenbohrer – zieht sich über ein Gewinde an der Spitze selbst ins Holz und fördert die Späne über eine Wendel nach oben, gedacht für tiefe Löcher in Balken und Sparren
Stein- und Betonbohrer
Stein- und Betonbohrer haben an der Spitze ein aufgelötetes Hartmetallplättchen. Damit kommen sie durch harte Baustoffe wie Beton, Naturstein und Mauerwerk. Der entscheidende Unterschied zum Metallbohren: Hier arbeitest du mit Schlag, also mit einer Schlagbohrmaschine oder einem Bohrhammer.
Bohrhämmer nutzen ein pneumatisches Schlagwerk und ein eigenes Aufnahmesystem für die Bohrer. Für kleinere Handgeräte ist das SDS-plus, für große Bohr- und Meißelhämmer SDS-max. Achte beim Kauf also darauf, dass der Bohrerschaft zur Aufnahme deiner Maschine passt.
Fliesen- und Glasbohrer
Fliesen und Glas sind hart und gleichzeitig empfindlich. Dafür gibt es spezielle Bohrer mit Hartmetall- oder diamantbeschichteter Schneide. Wichtig ist die Technik: Der Schlag der Maschine muss aus sein, sonst platzt die Fliese. Bohre langsam, mit reduzierter Drehzahl und kühle die Bohrstelle mit Wasser.
Welcher Bohrer passt, richtet sich nach der Härte der Fliese: Weiche Wandfliesen bohrst du mit dem Fliesen- oder Glasbohrer, mittelharte mit dem Steinbohrer, hartes Feinsteinzeug nur noch mit dem Diamantbohrer. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du im Beitrag Fliesen bohren.
Universalbohrer: der Kompromiss
Multimaterial- oder Universalbohrer sind für mehrere Werkstoffe gedacht und praktisch, wenn du schnell mal ein Loch in unterschiedliche Materialien setzt. Der Preis dafür ist ein Kompromiss bei der Leistung. Bei anspruchsvollen oder kritischen Arbeiten bist du mit dem passenden Spezialbohrer immer besser bedient.
Spitzenwinkel, Drehzahl und Praxis
Der Spitzenwinkel folgt einer einfachen Logik: Ein kleinerer Winkel ergibt eine spitzere Schneide, die sich leichter zentriert und für normale bis weichere Werkstoffe passt. Ein größerer Winkel ist robuster und für harte Werkstoffe gedacht, braucht aber mehr Anpresskraft. Neben dem richtigen Bohrer entscheidet die Drehzahl über das Ergebnis.
- Drehzahl anpassen – je größer der Durchmesser und je härter das Material, desto langsamer. Ein 2-mm-Bohrer darf in Stahl schnell drehen, ein 10-mm-Bohrer deutlich langsamer
- Kühlen – bei Metall und besonders Edelstahl mit Schneidöl arbeiten, das schont die Schneide
- Ankörnen – die Bohrstelle vorher mit einem Körner markieren, dann verläuft der Bohrer nicht
Damit der Bohrer überhaupt sicher in die Maschine kommt, sollte auch das Bohrfutter mitspielen. Wie du es tauschst, zeigt der Beitrag Bohrfutter am Akkuschrauber wechseln.
Fazit: der richtige Bohrer spart Zeit und Nerven
Wer den passenden Bohrer greift, bohrt schneller, sauberer und schont sein Werkzeug. Für Metall nimmst du einen HSS-Bohrer, für Edelstahl HSS-Co, für Holz einen Holzbohrer mit Zentrierspitze, für Beton einen Steinbohrer mit Schlag und für Fliesen einen Fliesenbohrer ohne Schlag. Stimmst du dazu noch Drehzahl und Kühlung auf das Material ab, hält jeder Bohrer deutlich länger.
Häufige Fragen zu Bohrer-Arten
Welcher Bohrer für Edelstahl?
Ein kobaltlegierter HSS-Co-Bohrer. Dazu drehst du langsam und kühlst mit Schneidöl. Normale HSS-Bohrer werden in Edelstahl schnell heiß und stumpf.
Welcher Bohrer für Fliesen?
Für weiche Wandfliesen ein Fliesen- oder Glasbohrer, für mittelharte ein Steinbohrer, für hartes Feinsteinzeug ein Diamantbohrer. Immer ohne Schlag, mit niedriger Drehzahl und Wasserkühlung.
Kann ich mit einem Holzbohrer in Metall bohren?
Nein. Der Holzbohrer ist mit Zentrierspitze und Vorschneidern auf Holz ausgelegt. Für Metall brauchst du einen HSS-Metallbohrer mit der passenden Spitzengeometrie.
Was bedeuten 118° und 135° beim Bohrer?
Das ist der Spitzenwinkel. 118° ist der Standard für HSS-Bohrer und universell einsetzbar. 135° ist flacher und wird oft mit Kreuzanschliff kombiniert, wodurch sich der Bohrer selbst zentriert und du nicht ankörnen musst.
Beitragsbild: Miguel Á. Padriñán / Pexels

