Das Wichtigste auf einen Blick
- Fliesen reißen beim Bohren vor allem durch die harte, glatte Glasur und durch Schlagbohren.
- Verwende einen Fliesen- oder Glasbohrer, bei hartem Feinsteinzeug einen Diamantbohrer.
- Bohre immer ohne Schlagwerk und mit niedriger Drehzahl.
- Ein Stück Kreppband verhindert, dass der Bohrer auf der Glasur verrutscht.
- Kühle die Bohrstelle und gib dem Bohrer Zeit, dann splittert nichts.
In eine Fliese zu bohren macht vielen Heimwerkern zu Recht Respekt. Die harte Glasur ist glatt und spröde zugleich, und ein gesprungener Spiegelhalter oder Handtuchhalter ärgert doppelt. Mit dem richtigen Bohrer und etwas Ruhe gelingt das Bohren aber sauber und ohne Risse.
Wir zeigen dir, warum Fliesen reißen, welchen Bohrer du brauchst und wie du Schritt für Schritt vorgehst, damit die Fliese heil bleibt.
Warum reißen Fliesen beim Bohren?
Die Glasur einer Fliese ist sehr hart, aber auch spröde. Ein normaler Bohrer findet auf der glatten Oberfläche keinen Halt und rutscht weg. Setzt du dann noch das Schlagwerk der Bohrmaschine ein, schlägt es kleine Stücke aus der Glasur und die Fliese springt.
Dazu kommt die Hitze. Bohrst du zu schnell oder ohne Pause, erhitzt sich das Material punktuell und reißt durch die Spannung. Genau diese drei Punkte gilt es zu vermeiden.
Der richtige Bohrer
| Fliesenart | Passender Bohrer |
|---|---|
| Wandfliese (Steingut) | Fliesen- oder Glasbohrer mit Hartmetallspitze |
| Bodenfliese (Steinzeug) | Hochwertiger Fliesenbohrer, bei Bedarf Diamantbohrer |
| Feinsteinzeug | Diamantbohrer, da besonders hart |
Hast du die Glasur durchbohrt und triffst auf den Untergrund wie Beton, kannst du für das tiefere Loch auf einen Steinbohrer wechseln. Für die Glasur selbst bleibt der Fliesen- oder Diamantbohrer aber Pflicht.

⚠ Vor dem Bohren: Leitungen orten
Hinter Fliesen liegen im Bad und in der Küche fast immer Strom- und Wasserleitungen. Ein angebohrtes Stromkabel ist lebensgefährlich, eine angebohrte Wasserleitung bedeutet einen Wasserschaden hinter der Wand.
Nach DIN 18015-3 werden Leitungen unter Putz in genormten Installationszonen geführt, also waagerecht und senkrecht im Bereich von Steckdosen, Schaltern und Anschlüssen. Verlass dich darauf aber nicht allein, im Altbau wurde oft frei verlegt. Prüf die Bohrstelle vorher mit einem Leitungssucher ab und halte Abstand zu Dosen, Schaltern, Armaturen und Anschlüssen. Bist du unsicher, lass die Stelle von einer Elektrofachkraft prüfen.
Fliese bohren: Schritt für Schritt
- Stelle anzeichnen. Markiere den Bohrpunkt und bohre möglichst nicht auf Fugenkreuzen, dort splittert die Fliese leichter.
- Kreppband aufkleben. Ein Stück Kreppband über der Markierung verhindert, dass der Bohrer verrutscht, und gibt zusätzlich Halt.
- Schlagwerk ausschalten. Stell die Bohrmaschine auf reines Bohren ohne Schlag und wähle eine niedrige Drehzahl.
- Vorsichtig ankörnen. Setz den Bohrer leicht schräg an, um die Glasur anzubrechen, und richte ihn dann gerade aus.
- Langsam durchbohren. Arbeite mit wenig Druck und gib dem Bohrer Zeit. Zwischendurch kannst du die Stelle mit etwas Wasser kühlen.
- Untergrund bohren. Erst hinter der Fliese kannst du bei Bedarf auf den Steinbohrer und das Schlagwerk wechseln, um das Loch zu vertiefen.
Tipp: Setze den passenden Dübel und achte darauf, dass das Bohrloch sauber ist. Stimmt der Bohrerdurchmesser nicht mit dem Dübel überein, hält die Befestigung später nicht. Wie du den Bohrer am Akkuschrauber wechselst, liest du in der Anleitung zum Bohrfutter wechseln.
Häufige Fehler
- Mit Schlagbohrfunktion in die Glasur bohren und die Fliese zum Splittern bringen.
- Einen normalen Stein- oder Metallbohrer für die Glasur verwenden.
- Zu viel Druck ausüben und zu schnell bohren, sodass das Material überhitzt.
- Direkt auf einem Fugenkreuz ansetzen, wo die Fliese besonders empfindlich ist.
Fazit
Fliesen bohren ist kein Hexenwerk, wenn du die drei wichtigsten Regeln beachtest: den richtigen Bohrer nehmen, das Schlagwerk ausschalten und langsam mit wenig Druck arbeiten. Kreppband gegen das Verrutschen und etwas Wasser zum Kühlen machen die Sache zusätzlich sicher. So bohrst du auch in empfindliche Wandfliesen, ohne dass etwas splittert. Geht es danach in härteres Metall, hilft dir unser Ratgeber zum Edelstahl bohren weiter.
Häufige Fragen
Welcher Bohrer eignet sich für Fliesen?
Für normale Wandfliesen ein Fliesen- oder Glasbohrer mit Hartmetallspitze. Hartes Feinsteinzeug bohrst du am besten mit einem Diamantbohrer.
Warum darf ich Fliesen nicht mit Schlagbohren bohren?
Das Schlagwerk schlägt kleine Stücke aus der spröden Glasur und bringt die Fliese zum Springen. Bohre die Glasur deshalb immer ohne Schlag und erst im Untergrund dahinter mit Schlag.
Wie verhindere ich, dass der Bohrer verrutscht?
Klebe ein Stück Kreppband über die Bohrstelle und setz den Bohrer leicht schräg an, um die Glasur anzubrechen. Danach richtest du ihn gerade aus.
Muss ich Fliesen beim Bohren kühlen?
Bei harten Fliesen und tieferen Löchern ja. Etwas Wasser auf der Bohrstelle verhindert, dass das Material überhitzt und durch die Spannung reißt.
Kann ich direkt in die Fuge bohren?
In die Fuge zu bohren ist oft schonender für die Fliese, sofern die Befestigung das zulässt. Vermeide aber das empfindliche Fugenkreuz, wo mehrere Fliesen zusammenstoßen.
